Tempo-30-Verkehrsschild

Tempo-30-Schild

Tempo 30 – leider nicht überall – Chance vertan!

Am vergangenen 26.09.2019 gab es für den Gemeinderat die Chance, im gesamten Neulußheimer Ortsgebiet Tempo 30 einzuführen – in den Nebenstraßen gilt bereits Tempo 30. Es fehlten noch die beiden Hauptachsen.

Leider wurde die Chance nicht ergriffen, die Fraktionen der Freien Wähler, CDU und Wir für Neulußheim stimmten geschlossen gegen den Antrag der Verwaltung. Diese sollte beauftragt werden, bei der Unteren Verkehrsbehörde Tempo 30 der Hockenheimer, der Altlußheimer, der St. Leoner und der Waghäuseler Straße zu beantragen. Für den Antrag stimmten wir GRÜNEN, die SPD-Fraktion und der Bürgermeister.

Für eine Tempo 30-Zone in der Altlußheimer und St. Leoner Straße stimmte der gesamte Gemeinderat – ein Teilerfolg!

Tempo 30 auf den Hauptachsen fordern wir bereits seit längeren, leider war wegen fehlender rechtlicher Grundlagen die Einführung dieser Geschwindigkeitsbeschränkung bisher nicht möglich.

Durch die gesetzlich vorgeschriebene Lärmaktionsplanung besteht nun diese Grundlage.

Die von der Gemeinde in Auftrag gegebene Lärmaktionsplanung fordert die Einführung einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h auf allen vier Hauptstraßen. Für drei der vier Hauptstraßen (Altlußheimer, Hockenheimer und St. Leoner Straße) folgt dies aufgrund einer Überschreitung der Lärmsanierungswerte. Auf der vierten, der Waghäuseler Straße, ist eine Begrenzung auf Tempo 30 anzuordnen, damit sich der Verkehr nicht dorthin verlagert.

Aufgrund dieser Tatsache und der Argumente für eine generelle Einführung von Tempo 30 auf den Hauptachsen können wir die Entscheidungen der ablehnenden Fraktionen nicht verstehen.

Tempo 30 überall innerorts ist sinnvoll und eigentlich unverzichtbar. Grund: es erhöht die Sicherheit, vermindert den Verkehrslärm und steigert die Lebensqualität. Zudem fließt der Verkehr, da sind sich die Experten einig, bei einer Basisgeschwindigkeit von 30 km/h flüssiger und gleichmäßiger.

Zur Sicherheit:

69 % aller Verkehrsunfälle mit Personenschäden ereignen sich innerorts; von den 3.275 im Jahr 2018 im Straßenverkehr getöteten Menschen starben 30 %, das sind 983 Personen, bei Unfällen in Orten.

Jeden Tag verunglücken 570 Menschen bei Verkehrsunfällen in Orten. Tempo 30 erhöht die Sicherheit für alle, denn es reduziert die Gefahr eines Unfalls und die Unfallschäden deutlich. Vor allem die ungeschützten, schwächeren Verkehrsteilnehmer, die Personen, die Rad fahren und zu Fuß gehen, profitieren davon.

Der Halteweg beträgt bei Tempo 50 fast 30 m; bei Tempo 30 beträgt er nur 13 m. Kommt es zu einem Zusammenprall, sind die Überlebenschancen einer Person bei einem Unfall mit Tempo 30 entscheidend höher. Ein Aufprall bei Tempo 30 entspricht eine Fallhöhe von 3,5 Metern und die Überlebenschance liegen bei 70 %. Tempo 50 entspricht einem Sturz aus 10 m Höhe und die Überlebenschance liegen dann nur noch bei 30 %. 

Zum Verkehrslärm und der Lebensqualität:

Tempo 30 reduziert den Verkehrslärm signifikant.

Weniger Lärm bedeutet weniger Krankheiten und mehr Lebensqualität:

Verkehrslärm gehört zu den am stärksten empfundenen Lärmbelastungen: 55 Prozent der Deutschen fühlen sich durch Straßenlärm belästigt. Und Lärm macht krank! Wer dauerhaft von Lärm geplagt ist, dem drohen Herz- und Kreislauferkrankungen.

Langsamer fahrende Autos sind leiser. Im Geschwindigkeitsbereich von 50 km/h treten neben den Motorengeräuschen die Rollgeräusche deutlicher in den Vordergrund. Ab ca. 50 km/h sind sie bereits die lautere Lärmquelle beim Pkw.

Die Absenkung der Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h reduziert den Lärm der Fahrzeuge im Durchschnitt um rund 2 bis 3 dB(A), das ist eine Halbierung der Schallleistung. Eine Absenkung um 3 dB(A) empfinden wir Menschen als eine Halbierung (!) der Lärmbelastung. 50 Autos mit Tempo 50 sind so laut wie 100 Autos mit Tempo 30.

Nicht zu vergessen:

Eine Ortschaft mit Tempo 30 zu durchfahren ist für Autofahrer deutlich weniger attraktiv als mit Tempo 50. Tempo 30 auf allen Hauptverkehrsstraßen hätten die Automassen, die sich morgens und abends vor allem durch die Hockenheimer und Altlußheimer Straße quälen, sicher reduziert. Chance vertan!

Jetzt geht es darum, aus dem Kompromiss das Beste zu machen: die Geschwindigkeitsbeschränkung muss nun auch eingehalten werden. Die Geschwindigkeitsmessgeräte der Gemeinde müssen zum Einsatz kommen. Die Messergebnisse sind dann die Grundlage einer kritischen Betrachtung aus denen mögliche weitere Maßnahmen ergriffen werden können.

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